Tierkreiszeichen und Sternbilder sind nicht dasselbe!

Die Tierkreiszeichen sind keine Sternbilder!

Ende des Artikels. Oh, Du willst eine weitere Erklärung? Ok, wie Du willst.

Ungefähr einmal im Jahr macht ein Artikel in den sozialen Medien die Runde, der besagt, dass die NASA ein 13. Tierkreiszeichen entdeckt hat. Dieses neue Zeichen heißt Ophiuchus und befindet sich zwischen Skorpion und Schütze. Dies hat vor allem bei Menschen, die sich nicht so gut mit Astrologie auskennen, Verwirrung gestiftet. Es hat Skeptikern als Strohmann-Argument gedient, um zu zeigen, wie ahnungslos Astrologen sind.

Die Wahrheit dieses Arguments hat nichts damit zu tun, ob Du an Astrologie glaubst oder nicht. Es geht hier um ein Missverständnis der Begriffe.

Die Ekliptik

Zuerst müssen wir verstehen, was die Ekliptik ist.

Die Ekliptik ist der Weg der Sonne, den sie aus unserer Perspektive am Himmel durchquert. Auch die übrigen Planeten und der Mond bewegen sich auf dieser Bahn, wenn auch manchmal etwas oberhalb oder unterhalb. Im Hintergrund entlang der Ekliptik befindet sich ein Band von Sternen. Einige dieser Sterne wurden zu Sternbildern gruppiert. Hier liegt die Verwirrung.


Sternbilder

Sternbilder sind Gruppierungen von Sternen. In der Antike gaben ihnen die Menschen Namen, die typischerweise auf der Mythologie ihrer Kultur basieren. In einigen Fällen wurden diese Sternbilder gruppiert, um eine Geschichte zu erzählen. Dadurch hat man auch die Möglichkeit, einzelne Sterne innerhalb oder in ihrer Nähe zu lokalisieren. Diese ortsbezogene Verwendung von Sternbildern wird auch heute noch von den Astronomen als einfache Abkürzung verwendet.

Die Größe der Sternbilder variiert und sie sind unregelmäßig geformt. Einige Sternbilder liegen entlang der Ekliptik, manchmal liegen sie an beiden Seiten der Ekliptik, manchmal berühren sie nur ein kleines Stück, und andere befinden sich weit oberhalb oder unterhalb der Ekliptik.

Tierkreiszeichen

Tierkreiszeichen sind 30-Grad-Einteilungen der Ekliptik. Die Grösse eines jeden Zeichens ist gleich und regelmäßig. Die Ekliptik ist ein Kreis, und wenn man die 360 Grad dieses Kreises durch zwölf teilt, erhält man 30. Das ergibt 12 Zeichen.


Zeichen vs. Sterne

Die Grafik unten ist eine Darstellung des ptolemäischen Universums aus dem 16. Jahrhundert. Bei den Astrologen gibt es Unterschiede in der Anzahl der Sphären – einige wurden hinzugefügt, um die Präzession der Tagundnachtgleiche usw. zu berücksichtigen. Um es allgemein zusammenzufassen:

Über der Erde befinden sich die Sphären für jeden der sieben Planeten.

Die Sphäre der Sterne befindet sich über dem Saturn.

Über der Sphäre der Sterne ist in der Regel eine weitere Sphäre für die Tierkreiszeichen.

Es mag andere Sphären geben, aber alle sind sich einig, dass der Himmel (nicht unbedingt der christliche) ganz aussen ist.

Die Tierkreiszeichen befinden sich oberhalb der Sterne. Du kannst die Sterne und die Sternbilder sehen. Du kannst die Tierkreiszeichen nicht sehen. Astrologie ist, zumindest teilweise, Ausdruck einer Philosophie. Auf diese Weise sind die Tierkreiszeichen nicht-physische Archetypen, die sich im Bereich der Ideen/Formen befinden, wie sie von Platon und Aristoteles (mit unterschiedlichen Meinungen) beschrieben wurden.


Die nicht-fixen Sterne, die Präzession der Äquinoktien

Aus unserer Perspektive scheinen sich die Sterne als ein einheitlicher Hintergrund hinter den Planeten zu bewegen und täglich auf- und unterzugehen. Mit der Zeit scheinen sich die Sterne jedoch langsam rückwärts zu bewegen, entgegen der Reihenfolge des Zodiaks. Dies ist auf ein Phänomen zurückzuführen, das als Präzession der Tagundnachtgleichen bezeichnet wird. Es wird durch eine leichte Schwankung in der Erdachse verursacht, wie bei einem Kreisel. Das bedeutet, dass die Frühjahrstagundnachtgleiche, jetzt in den Fischen stattfindet, während sie früher dort stattfand, als die Sonne irgendwo im Widder stand. Das ist genau der Punkt, den Skeptiker benutzen, um Astrologen lächerlich zu machen.

In Wirklichkeit haben Astrologen dies schon seit sehr langer Zeit bemerkt. Ptolemäus schrieb im 2. Jahrhundert darüber, und die Mathematik, die die Präzession berücksichtigt, wurde in die Berechnungstabellen aufgenommen. Heute ist sie in jeder Astrologie-Software enthalten.

Die Frage ist nicht, ob die Astrologen es wissen oder nicht, dass die Sterne und der Tierkreis sich nicht gleichen. Es geht darum, wie man den Tierkreis misst.


Die drei Tierkreise

Das Thema mit der Präzession und dem Tierkreis wird in der Astrologie hauptsächlich wie folgt behandelt:

Der tropische Tierkreis: Das ist der beliebteste Tierkreis im Westen und geht zeitlich auf Ptolemäus zurück, wenn nicht schon früher. Dies ist ein jahreszeitlich bedingter Tierkreis. Die Frühlings- und Herbst-Tagundnachtgleichen fallen immer auf 0 Grad Widder bzw. Waage, und die Sommer- und Wintersonnenwende fällt immer auf 0 Grad Krebs bzw. Steinbock. Die Hauptüberlegung besteht darin, die elementaren Naturen der Tierkreiszeichen mit den Jahreszeiten in Einklang zu bringen.

Der siderische Tierkreis: Dieser ist in der indischen Astrologie am populärsten, hat aber im Westen einige Anhänger. Er basiert auf der Präzession. Normalerweise wird ein Punkt in Widder an einen bestimmten Stern „angeheftet“. Das bedeutet, dass der Unterschied zwischen siderischer und tropischer Astrologie in dem Maße zunimmt, wie sich die Präzession rückwärts bewegt. Eines muss man sich vor Augen halten: Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, wo der Anfangspunkt des siderischen Tierkreises beginnt. Diese unterschiedlichen Meinungen werden als Ayanamsas bezeichnet. Mit anderen Worten: Der siderische Tierkreis hat nicht unbedingt einen einheitlichen Konsens.

Der konstellations – Tierkreis: Dieser ist unter Astrologen am wenigsten beliebt. Dieser Tierkreis versucht, die Ekliptik nach der ungefähren Größe der Sternbilder zu unterteilen. Zum Beispiel wird Skorpion ziemlich klein sein, Waage ziemlich groß, und es wird höchstwahrscheinlich 13 Sternzeichen geben. Auch hier werden die Meinungen variieren.

Über tropische und siderische Tierkreiszeichen:

Dies ist die harte Wahrheit: weder der tropische noch der siderische Tierkreis zeigen genau an, was am Himmel ist.

Der Grund dafür geht auf meine erste Aussage zurück, dass ein Tierkreiszeichen immer 30 Grad gross und eine Konstellation unregelmäßig ist. Um dies zu veranschaulichen, habe ich zwei farbige Grafiken erstellt. Die Grafik links zeigt die 12 Tierkreiszeichen. Die Grafik unten rechts zeigt die ungefähre Anzahl der Grade, die jede Konstellation in der Ekliptik hat.

Das ist nicht einmal exakt, denn da die Konstellationen unregelmäßig gross sind, ist es manchmal schwierig zu sagen, wie viele Grade sie abdecken. Einige Konstellationen überlappen sich, biegen sich über eine andere oder passen in eine andere wie ein Puzzleteil.

Wenn Du 30-Grad-Zeichen verwendest, werden sie anders sein als am Himmel. Punkt. Zugegeben, der siderische Tierkreis kommt etwas näher an die Wirklichkeit, da es die Präzession berücksichtigt.

Warum 12?

Es gibt zwei Gründe: der eine ist astronomisch, der andere philosophisch.

Die astronomische Antwort ist einfach: Es gibt 12 Lunationen in einem Jahr, von denen jede knapp 30 Tage dauert.

Die philosophische Antwort ist komplizierter: Die Menschen der Antike legten großen Wert auf bestimmte Zahlen. Bestimmte Zahlen kommen immer wieder vor: eins, zwei, drei, vier, sieben, zehn und zwölf. Diese Zahlen sind für die Astrologie äusserst wichtig:

Zwölf Zeichen.

Jedem der vier Elemente sind drei Zeichen zugeordnet.

Jedem der drei Modalitäten (kardinal, fest, veränderlich) sind vier Zeichen zugeordnet.

Es gibt sechs mögliche Sextil-Aspekte.

Es gibt vier mögliche Quadrat-Aspekte.

Es gibt drei mögliche Trigon-Aspekte.

Es gibt zwei mögliche Oppositions-Aspekte.

All dies passt in das Modell einer Zwölffachteilung. Das Hinzufügen eines Dreizehntels bringt das System im Wesentlichen aus dem Gleichgewicht. Auch hier hat die Astrologie eine nicht-physische und philosophische Komponente, und dieses Gleichgewicht ist, zumindest meiner Meinung nach, wichtig.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Ganze auf vier Punkte hinausläuft:

Wenn Du es vorziehst, dass die Elemente der Zeichen den Jahreszeiten entsprechen, wählst Du den tropischen Tierkreis.

Wenn Du es vorziehst, dass die Sternzeichen die Präzession berücksichtigen, Wähslt Du den siderischen Tierkreis.

Wenn Du den physischen Tierkreis bevorzugst, wählst Du den konstellations-Tierkreis.

Wenn Du ein Skeptiker bist, ist das Alles falsch. Versuche zumindest, den Tierkreis als eine Möglichkeit zu verstehen, die Ekliptik zu unterteilen.

Um es am einfachsten zu erklären, sind die Tierkreiszeichen ein Messsystem. Wenn wir sagen, dass Saturn bei 3 Grad Zwillinge steht, meinen wir gleichzeitig damit, dass er bei 64 Grad der Ekliptik steht. Es handelt sich um eine Kürzung, die sich wirklich nicht viel von der Kürzung unterscheidet, die die Astronomen heute verwenden.

Die NASA hat Ophiuchus nie als das 13. Zeichen proklamiert – oder zumindest hat sie nicht die Autorität dazu, genauso wenig wie Hornbach die Autorität hat zu proklamieren, ein Quadratkilometer sei jetzt 10 Meter lang.

Oh, und Ophichus wurde auch nicht erst kürzlich entdeckt. Er war Teil von Ptolemäus‘ Sternenliste. Er berührt die Ekliptik.

Es ist ein bisschen wie die Geschichte mit dem Huhn und dem Ei, ob die Tierkreiszeichen nach den Sternbildern benannt wurden oder umgekehrt. Wir wissen es einfach nicht.


Der Beitrag wurde geschrieben von Eric Purdue. Das englische Original findest Du auf seiner Webseite.

vor 2 Wochen

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